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Mittwoch, 8. August 2012

sonhos.se.tornam.realidade

Träume werden wahr!

Nach einer Generalprobe, welche mehr aus kleinen Schlägereien, Geschreie und Streit bestand und einer unserer acht Circuskinder nachhause gehen musste, haben die Kinder in den vergangenen zwei Tagen atemberaubende Aufführungen hingelegt und dabei nicht nur uns so beeindruckt, dass wir fast unfähig waren sie musikalisch zu begleiten, sondern das ganze Publikum verzaubert und mit in die Welt der Träume genommen...

In wenigen Stunden werden wir nun zu einer kleinen Reise ins Hinterland von Sao Paulo aufbrechen. Auf der sog. Demétria, einem wunderschönen anthroposophischen Stadtteil von Botucatu, werden wir zwei Aufführungen in der Waldorfschule Aitiara machen und mit den Kindern die Natur in der Umgebung genießen. 
Drückt uns also nochmal die Daumen für zwei weitere schöne Aufführungen und dass sich die Kinder auf dieser Reise benehmen und nicht der "große Streit" ausbricht. 

Grüsse aus einer bewegten Zeit, 
Jonas, Ole und Sonja 

Sonntag, 5. August 2012

hauptprobe.

Zwei Tage bis zur Aufführung "O pequeno Sonhador"! Für unsere acht Schüler, die dieses Spektakel auf die Bühne bringen wollen, scheint diese kurze Zeitspanne keine Kraft zu haben sie zu konzentrierter Arbeit, produktiver Zusammenarbeit zu motivieren. 
Seit Wochen bereiten Sonja, Ole und ich die Circusaufführung vor; planen von Handlungsrahmen, Geschichte, Nummern, Kostümen, Requisiten, Musik, Szenerie, Publikationen, und  vielen mehr alles mit Enthusiasmus und Freude. Nun sind wir drei, zwar nur knapp, aber doch gut vorbereitet. Unsere acht "Racker" jedoch kann man nicht so leicht motivieren, bzw. ihnen eine konzentrierte Arbeitsweise, die vor einer Aufführung notwendig ist zeigen und beibringen. Sie leben viel zu strak im Moment, ohne eine innere Planung für die nahe Zukunft aufzubauen, obwohl wir immer wieder versuchen die zeitnahe Aufführung in das Bewusstsein der Kinder zu locken. 
Gestern bei der Hauptprobe fehlten zwei der acht Kinder und in der Vorbereitungsphase jener vorletzten Probe begann sich zunächst der Hauptcharakter mit einem Mädchen zu prügeln, welches einen Schlag auf den Mund anbekam - der Mund blutete. Sie biss die Zähne zusammen und machte trotzdem die Probe. Dem "Täter" versuchten wir vergeblich dazu zu bewegen eine Entschuldigung abzugeben, er blieb ignorant und dickköpfig. 
Mit jener unbändigen Sturheit und Dickköpfigkeit haben wir jeden Tag zu tun. Die Kinder sind zwischen sieben und vierzehn Jahre alte, lassen sich aber von uns praktisch kaum noch etwas sagen. Respektlos ignorieren sie oftmals unsere Aufforderungen und Bitten und nur mit unbändiger Geduld gelingt es hin und wieder den Unterricht auf unsere Art zu gestalten, Konflikte auf der verbalen Ebene zu lösen und ein einigermaßen pazifistische und aufbauende Arbeitsweise mit ihnen zu etablieren. 
Ein guter Freund und Pädagoge sagte mir vor eineigen Tagen sehr zutreffend: "Die Kinder verbringen einige Stunden mit euch in der Woche, in welchen ihr Ihnen ein friedvolles Miteinander vorlebt und impulsiert, doch den Rest der 24 Stunden am Tag erleben sie Streit  und dies schon ihr Leben lang." Wir erwarten von den Kindern sehr viel, wir erwarten, dass sich die Kinder so verhalten, wie wir es uns aus unserem sozialen Umfeld in Deutschland erwünschen würden. Hier treffen zudem zwei ganz unterschiedliche Kulturen aufeinander und zudem zwei unterschiedliche soziale Schichten. Die Kinder können sich nicht so schnell an uns anpassen, besonders weil sie aus der Stunde herausgehen und jeglicher Konflikt sofort wieder mit der Faust gelöst wird. 

Somit haben wir unendliche Geduld, schauen nach vorne, versuchen "Gutes" vorzuleben und freuen uns über viele kleine, aber dennoch wunderschöne Erfolge eines jeden Kindes. 

Der morgen ist wunderschön in Sao Paulo und ich mache mich auf den Weg 
zur Generalprobe; Geduld und Gelassenheit in meinem Gepäck. 
Wir geben unser Bestes!

Gruss, Jonas

Mittwoch, 23. Mai 2012

ihr.seid.gefragt.



Nach gut acht Monaten Engagement hier in Brasilien erleben wir wie die Circusarbeit fruchtet, wie das Leuchten in den Kinderaugen entsteht. Gleichzeitig wird uns deutlich, dass wir nur noch wenige Monate hier sein werden und gerade dann, wenn einige Kinder eine richtige Beziehung zum Circus aufgebaut haben werden, wieder abreisen. 

Also seid ihr gefragt!
Engagiert euch in dem sozialen Projekt "Associacao Comunitária Monte Azul" und führt unser Circusprojekt weiter! Alle Circusmaterialien, wie Matten, Diabolos, Keulen, Einräder, Trapez, Tuch bis hin zu Feuerausrüstung, die wir alle durch Spenden finanzieren konnten, warten darauf weiter benutzt zu werden. Mehr noch warten Kinder und Jugendliche auf eine Weiterführung der Circusarbeit, auf eine sinnvolle Beschäftigung nach der Schule fern von Drogen, Gewalt und Streit. 

Wenn Du Interesse hast, melde Dich bei: circusprojekt.saopaulo@gmail.com.

Mit freundlichen Grüßen, 
Sonja Lindenkreuz, Jonas Friedrich und Ole Schütz

Dienstag, 15. Mai 2012

emocoes.brasileiras

Kürzlich wurde ich eingeladen drei kleine Musikfilme der "Connexao Brasilemao" aufzunehmen. Arbeitend in dem Kulturprojekt "Paidéia Associação Cultural" haben sich zwei Schauspieler und die beiden deutschen Freiwilligen zusammengetan, um einige brasilianische Musikstücke auf ihre baldige Deutschlandtournee als Theaterensemble mitzunhemen. Sich eines ihrer Theaterstücke anzuschauen ist nur zu empfehlen!

Viel Freude beim Zuhören, 
Jonas



weitere Infos: 
http://www.facebook.com/events/364588856927097/
http://www.paideiabrasil.com.br/index.php


Aufführungen in Deutschland:
14.6.2012 - GRIPS-Theater, Berlin - 11h (Podewil)
16.6. theaterhagen, Hagen - 18h
23.6. COMEDIA THEATER, Köln - 18h
5.7. FWS Hannover-Bothfeld - 20h
8.7. Schnawwl, Mannheim -16h

Mittwoch, 9. Mai 2012

generalprobe.froh

Mit erstaunlicher Aufmerksamkeit haben heute 30 unserer jungen Circusartisten die Generalprobe für das "Grande Espetaculo de Circo" aufgeführt - das macht uns froh.




Grüsse aus Sao Paulo, 
Jonas

Donnerstag, 3. Mai 2012

vorbereitungen.

Voll am powern sind wir drei in den vergangenen Tagen mit dem Ziel in einer 
Woche ein "Grande Espetaculo de Circo" mit unseren 30 Schülern aus den Nachmittags- und Vormittagsbetreuungsgruppen des Centro Cultural Monte Azul auf die Beine zu stellen. 
Anstrengend ist es in einer kurzen Zeitpanne von nur zwei Monaten eine runde Aufführung mit dem Thema Urwald, mit Musik, Kostümen, Schminke, Licht  etc. zu gestalten. In dem Arbeitsprozess, der für die Kinder etwas vollkommen ungewohntes und neues darstellt, erkennen wir immer wieder das freudige Funkeln in den Augen dieser kleinen Artisten; das macht froh. 


Herzlich seid ihr natürlich alle zu unserer Aufführung am kommenden Freitag eingeladen - 
Brasilien ist gar nicht so weit wie man immer gerne denkt. 


Gruss vom Herz, 
Jonas










Sonntag, 22. April 2012

encontro.arte

In den vergangenen drei Tagen haben wir drei in Monte Azul, im Rahmen eines "künstlerischen Wochenendes" mit dem Thema "Spiele und Spielzeug" einen Workshop über Circuspädagogik gegeben. Die Teilnehmer durften zwei Circusstunden mit den Schwerpunkten Akrobatik und Jonglage miterleben und unsere Vorgehensweise und Techniken kennenlernen. Infolge untersuchten wir im gemeinsamen Gespräch welche pädagogischen Qualitäten die erlebten Aktivitäten mit sich bringen. 
Glücklich beendeten wir heute den Workshop mit einer kleinen Aufführung!


Schon seit dem Beginn unseres Aufenthalts hier in Brasilien arbeiten Sonja, Ole und ich an einer knackigen, kleinen Show, die wir nun schon einige Male auf die Bühne gebracht haben. 
Besonders an diesem Stück ist, dass es an jedem beliebigen Ort, ohne großen Aufwand aufgeführt werden kann, da u.a. live und direkt von uns musiziert wird.












beijo do brasil, jonas

Donnerstag, 19. April 2012

fortschritte.

Durch den Impuls eines schottischen Waldorf Sportlehrers, der uns für einige Tage in unserem Projekt half, hat sich unser "pädagogisches Konzept" in vielerlei Hinsicht verändert und zu einem deutlich entspannterem Arbeitsklima geführt. 


Die Aufmerksamkeit auf diejenigen Kinder lenken, die interessiert an der Stunde teilnehmen, ist der wichtigste Bestandteil unserer neuen Vorgehensweise. Nicht dem Kind, dass rumturnt, schreit, schwatzt, unsere Materialien ohne zu fragen nimmt Beachtung schenken, sondern diejenigen, welche vorbildhaft am Unterricht teilnehmen loben und mit ihnen weiterlernen. Wichtig dabei ist es den "Störenfrieden", sobald sie nur eine Kleinigkeit richtig machen, ein Lob, eine positive Aufmerksamkeit entgegenzubringen. So lernen die Kinder und Jugendlichen, dass sie nur Aufmerksamkeit von uns bekommen, wenn sie sich ordentlich verhalten. Zudem schafft diese Technik für uns eine andere Arbeitsatmosphere: Wir loben und zwar oft, sind nun endlich für die Kinder da, die wahrhaft Interesse an unseren Aktivitäten haben und haben nicht immer das Gefühl in der Stunde eigentlich mehr ermahnt als unterrichtet zu haben. 
Der Tipp des Schotten, Kindern bräuchte man Dingen nicht mehrmals sagen, sie hören es schon beim ersten Mal, bewahrheitet sich für mich zudem vollkommen. Ich weise ein Kind nun nur noch einmal daraufhin, wenn es etwas falsch macht, schreie nicht zehnmal, komm zurück und leg die Jonglierbälle zurück in die Box, sondern wende meine Aufmerksamkeit zu denen Kindern, die mitmachen und versuche ein dickes Lob auszusprechen, wenn oft lang erscheinende Momente später "das Kind" die Bälle zurücklegt. Viele unserer "Schüler" suchen aktiv nach der Aufmerksamkeit bei uns und wenn sie diese durch ihr Fehlverhalten nicht mehr bekommen, suchen sie sie auf die richtige Art und Weise - kehren in den Kreis zurück, machen die Übung etc..
Natürlich ist es sehr herausfordernd diese neuen Impulse umzusetzen, da es ausgesprochen schwierig ist, Kinder die schreiend um den Kreis herumtanzen, in welchem wir eine Übung zeigen, keine Beachtung zu schenken. Dieses Ignorieren der "Störenfriede" fällt natürlich auch den mitmachenden Kindern und Jugendlichen schwer. So werden unsere Kreise oft immer kleiner bis nur noch diejenigen da sind, die wirkliche etwas lernen wollen. Doch das empfinde ich als genau richtig.
Ich habe nun auch verstanden, dass es nicht die richtige Vorgehensweise ist hinter Kindern herzurennen, die beispielsweise Material geklaut haben, sondern auf ihre Kontaktsuche zu warten, die Zumal einige Zeit auf sich warten lassen kann. Wenn sie diesen Kontakt nicht suchen, dann suche ich nun den Kontakt mit der mir übergestellten Autorität, den Erzieherinnen, oder den Eltern, um das Problem zu lösen. Ich habe gemerkt, dass es nichts bringt die Kinder am Arm festzuhalten, um mit ihnen kommunizieren zu können, oder sie aus dem Unterricht zu schmeissen, es müssen Wege ohne dem physischen Kontakt sein! 
Mit dieser neuen Vorgehensweise erlebe ich auch mich als ruhiger, werde nicht so schnell selbst emotional gepackt - genervt, wütend - und merke das mich die Kinder immer mehr als natürliche Autorität erleben. 


Grüsse aus der Favela, 
Jonas





Mittwoch, 28. März 2012

circus.erziehung

In den beiden Circusstunden, die wir täglich direkt in der Favela Monte Azul für Kinder und Jugendliche anbieten, ist mir erneut bewusst geworden, dass der Großteil unseres Unterrichtes nicht die Vermittlung von Circusfähigkeiten einnimmt, sondern dass es vielmehr Grundlagen eines konstruktiven sozialen Miteinanders, sowie der Schaffung eines funktionsfähigen Unterrichtsrahmens, sind, an welchem wir mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten: "Bitte schaut und hört Sonja, Ole und Jonas zu, wenn sie euch eine neue Übung zeigen", "bitte kommt zu uns, wenn ein Kursteilnehmer eure Mutter beleidigt hat, schlagt diesen nicht, sondern lasst uns dieses Problem gemeinsam im Dialog lösen", "respektiert das, was wir euch sagen", "bitte tretet oder schlagt keine anderen Kinder", "bitte lacht nicht, wenn einem anderen eine Übung nicht gelingt", "bitte lernt euren Gegenüber ausreden zu lassen, um in folge ruhig eine Antwort zu geben" usw.

So ist unser Circusprojekt nun auch ein Erziehungsprojekt!
Persönlich merke ich, dass gerade diese Grundlagen eines "normalen" sozialen Miteinanders fundamental wichtig für die Zukunft dieser Kinder sind. In Schule, Ausbildung, Berufwahl und letztendlich in der Ausübung eines Berufes, eigentlich in allen Lebensbereichen, ist ein gesitteter und respektgeleiteter Umgang mit den Menschen in der Umgebung von zentraler Bedeutung.

Gruss Jonas

Montag, 26. März 2012

neuer arbeitsplan.


Montag bis Freitag arbeiten wir nun schon seit einigen Wochen im Pontinho de Culturo. Von 17h- 18:15h findet Circus fuer Kinder zwischen 7 und 12 Jahren satt, von 18:30h bis 20h der Unterricht fuer die Jugendlichen. Mit dieser Arbeitsplanumstellung wirken wir nun intensiv in der Favela und schaffen für 20-30 Kinder und Jugendliche pro Tag eine sinnvolle Abendbeschäftigung fern von Drogen, Gewalt, den normalen Treiben in der Favela. 


Dazu arbeiten wir zwei volle Tage pro Woche im Centro Culutral von Monte Azul und werden in den naechsten sechs Wochen mit einigen Kindern, die auf freiwilliger Basis zu unserem Unterricht kommen versuchen ein kleines "Espetaculo de Circo" auf die Beine zu stellen. 
In zwei mal einundhalb Stunden pro Woche wird sich jedes Kind auf zwei Circusgenres spezialisieren und dieses schlussendlich in eine paar Wochen auffuehren. 


Zudem haben wir ein Projekt in angeschoben das in vorsieht in verschiedenen Waldorfschulen Mini-Vorträge über unser Projekt zu halten und evtl. auch etwas Kleines aufzuführen. Die sieben Waldorfschulen, welche es hier in Sao Paulo gibt sind sehr eliter, sprich von Schuelern besucht, die hauptsächlich in reichen Gegenden im Zentrum von Sao Paulo wohnen und keinen Kontakt mit der Peripherie, den Favelas oder sozialer Misere haben und grundsätzlich auch nicht aufsuchen. Als europaeische Freiwillige können wir mit unserem Projekt, so hoffen wir, auf offene Ohren stossen und einen sozialen Impuls dort geben, wo er gebraucht wird. Mich macht es traurig und ärgerlich hier in Sao Paulo in einer Favela zu arbeiten, von welcher aus man das Reichenviertel Morumbi mit seinen Hochhäusern und Villen sehen kann. Schnell kommt dann die Frage auf, warum müssen viele Spendengelder oder auch wir als Freiwillige in ein die sechstgrößte Wirtschaftsnation kommen?


grüsse aus dem heissen Sao Paulo,
jonas



Samstag, 17. März 2012

duschen.

Oft stehe ich unter der Dusche, denke jetzt ist es zeit aufzuhoeren Wasser in den Abfluss zu giessen und druecke impulsiv mit meiner linken Hand auf den Lichtschalter. Danach ist das Licht aus doch verdattert wundere ich mich ueber das Wasser, welches immernoch ueber meinen Koerper fliesst. Ich lache und freue mich ueber diese Kuriositaet, die mir in Wirklichkeit mindestens einmal pro Woche passiert.

Montag, 13. Februar 2012

derTropfen

Das Workcamp in Aramitan hat mich weiter gestärkt auf meine Gedanken, meine Wörter und meine Taten zu achten, um in die Welt immer ein Bisschen mehr gute Energie zu schicken. Dabei ist mir das Bild des Tropfens, der Wellen schlägt als Metapher eingefallen: Jeder Gedanke, jedes Lächeln, jedes Danke sagen, aber auch jeder Kauf keiner Banane, sondern eines Apfels des nebenan wohnenden Bauers, oder jeder Schwung aufs Fahrrad ist einer dieser Tropfen, den andere sehen, miterleben und welcher vielleicht auch kommuniziert wird. Über sechs Ecken kennt ein jeder von uns bekanntlich jeden auf unserem blauen Planeten, also kann es auch garnicht lange dauern bis "unser" Tropfen Wellen auf der ganzen Welt geschlagen hat. Eine Affirmation und eine Graphik sind zu diesem Thema in Aramitan entstanden: "Ich bin der Tropfen, bin die Welle"


Dienstag, 7. Februar 2012

Über das Leuchten in der Welt / Workcamp Aramitan

In der vergangenen Woche hatte ich die Möglichkeit an einem Workcamp der NGO Aramitan (www.aramitan.com) teilnehmen zu können. Morgens wurde sich mit untererschiedlichen politischen, sozialen aber auch persönlichen Themen beschätigt, die sich letztendlich alle um die Frage drethen, "wie kann ich als Mensch verantwortungsvoll in der Welt handeln und eine positive Entwicklung unterstützen, oder sogar anstossen". Nachmittags wurde drei Stunden handwerklich gearbeitet um das Haus der Einrichtung fertigzustellen und um einen Spielplatz zu errichten. Danach gab es viel Zeit um sich mit den 40 Mitfreiwilligen auszutauschen und vorallem zu musizieren. Wie auf jedem Treffen mit vielen Menschen, auf Jugendfahrten, Symposien oder gemeinsamen Reisen, fühlte ich mich auch hier in dem gemeinschaftlichen Leben unglaublich wohl, inspiriert und sicher und merke, dass ich auch zukünftig auf jeden Fall mit viele Menschen zusammenleben möchte.
Hier in Aramitan kommen Menschen aus ganz verschiedenen Hintergründen zusammen. So arbeiten hier Brasilianer aus der Mittelschicht, aber auch aus der Favela mit Argentieniern, Deutschen und Neuseeländern zusammen. Es sind nicht nur die Gespräche, sondern einfach das miteinander Leben, das zusammen, viel Kochen, das gemeinsahme Essen, der Austausch zwischen vielen sehr verschiedenen Menschen mit ihren Qualitäten, der mir gut tat.
Inhaltlich wurde sich auch mit der globalen Ökonomie beschäftigt und es flossen immerwieder bewegende Erfahrungen von den Favelabewohnern, oder Teilnehmern ein, die in und mit der Misere Süd-Amerikas arbeiten. Emotional wurde von der Ohnmacht berichtet, in der sich viele Menschen der Unterschicht Süd-Ameriakas heutzutage befinden: Ohne Bildung keine Arbeit, keine Möglichkeit aus dem "vicious circle" des täglichen Überlebenskampfes zu entkommen und dies in einem von Gewalt und Drogen dominierten Lebensumfeld. In Brasilien beispielsweise führt der entfässelte Kapitalismus mit seinen Gewinnen wohl immernnoch nur marginal zu verbesserten Lebensbedingungen der armen Bevölkerungsschichten. Unter den Teilnehmern herrschte ein Konsenz darüber, das der Kapitalismus, so wie er momentan weltweit praktiziert wird, umfangreich reformiert werden muss, um sozial, den Menschenrechten entsprechend und die Natur respektierend praktiziert werden zu können. Persönlich war ich froh über allgemeine Distanzierung von jedlichen radikalen Bewegugen, wie beispielsweise der radialen Linken, oder anderen radiakalen politischen Grupierungen. "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt" (Mahatma Gandhi) war das Motto. Beginne bei dir die Welt zu verändern, achte auf deinen Gedanken, deine Worte, dein Verhalten und Umgang in jedlichen Beziehungen, sei dir über dein Konsumverhalten, deine Lebensweise bewusst, arbeite dort wo du Gutes tust, unterstütze Menschen die Gutes tuen, lebe in Gemeinschaften die achtsam mit der Welt umgehen usw. Auch in zwei der vier Vortäge, an welchen ich beigewohnt habe, ging es nicht um die Entwicklung einer utopischen Vision zukünftigen globalen Zusammenlebens, die natürlich auch Wichtigkeit hat, sondern um das Kennenlernen von sich selbst und der Entwicklung eines Bewusstseins für sich selbst, sein Umfeld und letztendlich für die Welt. 






Persönlich vertrete ich eine viel zurückhaltenderer und ich würde sagen realistischere Sicht auf, das was man in der Welt gerade verändern kann, als viele andere, enthusiastischere Teilnehmer des Workcamps. Gerade auf meiner Reise in das Amazonasgebiet habe ich erneut miterlebt wie der Sog des Kapitalismus, der Fokussierung auf viele materielle Werte, gerade erst beginnt und ich stelle mir vor, dass dies in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern auf der Welt änlich ist. Viele Menschen empfinden gerade den Drang ein Handy zu erwirtschaften, wollen ein Fernseher, ein Auto, ein Haus haben. Und dieses Wollen ist ein Gefühl, das in ihnen wohnt und sie treibt. Viele von uns jedoch leben in jenem "Wohlstand", merken dass er nicht alles Glück bedeutet und entwickeln andere Vorstellungen. Doch den Teil an Menschen, den ich gerade als "wir" bezeichnet habe, ist ein verschwindend kleiner Teil der Weltbevölkerung.




Keine Frage ist natrürlich, dass ich jede Art von Aufbruch und jede Art von Einsatz für die Welt als extrem wichtig empfinde! Täglich versuche auch ich ein Licht in die Welt zu tragen und andere anzuregen mit zu leuchten. Gerade Aramitan empfinde ich als einen dieser magischen Orte, an welchem sich jährlich dutztende junge Menschen treffen neue Ideen diskutieren und in die Welt tragen. Bewegend war für mich auch, dass altbekannte Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen, oder Werte wie Kommunikation, Dialog, Empathie, Vertrauen und Bewusstsein, Achtsamkeit immer wieder auftauchten, Ideen und Werte, die mich schon lange gepackt haben und sogar hier an ganz entfernten Orten auf Resonanz treffen und sich somit in mir noch weiter verdichten. 


Ich wünsche euch viel Kraft beim Leuchten,
mit herzlichen Grüssen aus der Hitzte,
Jonas

Donnerstag, 26. Januar 2012

Sonntag, 22. Januar 2012

"semana de circo" - geduld

Gestern ist eine extreme Woche zuende gegangen. "Semana de Circo" nannten wir das einwöchige Circusprojekt, welches wir an die Schnupperkurswoche des Circus Waldoni, in welchem wir für Jahre mitgewirkt haben, angelehnt haben. Von 9 bis 16 Uhr luden wir Kinder und Jungendliche aus der Favela Monte Azul und Peinha ein mit uns verschiedenen Circusdisziplinen auszuprobieren und am ende der Woche eine Aufführung für die Eltern zu gestalten. Unsere Bemühungen schon Wochen im vorraus feste Zusagen für die Teilnahme zu bekommen, erwiesen sich als unfruchtbar. Die verteiten Handzettel, die von den Eltern ausgefüllt zurückgegeben werden sollten, kamen einfach nicht zurück und einige derjenigen, welche diese dann soch abgegeben hatten, waren schlussendlich in der Woche garnicht dabei. Der direkte Kontakt mit den Kindern einige Tage vorher motivierte letztendlich die meisten zu kommen. Zudem ließen wir an den ersten beiden Tagen noch einige Kinder, die zu spät kamen noch mitmachen. Mit letztendlich 20 Kindern machten wir daraufhin gestern die Aufführung.
Der Prozess bis zur Aufführung, bzw die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen aus der Favela war für uns drei Deutschen wirklich eine Herausforderung, sowie anstrengend. Persönlich habe ich noch nie in meinem Leben eine vergleichbare Geduld aufbringen müssen. Den Kindern fiel es unglaublich schwer von uns aufgestellte Regeln zu akzeptieren. Dabei war stets die große Herausforderung von ihnen Ruhe und wirkliche Aufmerksamkeit zu bekommen, um ihnen ein Spiel, oder einfach nur das weitere Program  erklären zu können. Mit einem Gong wurde zum Kreis gerufen, in welchem sich die Kinder setzten sollten und still sein sollten. Dies hat nie sofort funktioniert. Wenn es dann einmal, durch gefühlt tausendfach wiederholtes "Silencio", möglich war zu sprechen, fielen sie einem immer wieder ins Wort. So wiederholte ich diese Woche viele dutzende Male den Satz: "Bitte seid ruhig wenn Sonja, Ole oder ich reden und respektiert das was wir sagen". Ihre Ungehorsamkeit rief in uns immer wieder das Gefühl hervor: "Ich fühle mich als Mensch nicht respektiert" und wir mussten uns immer wieder von diesem Gefühl distanzieren, um nicht emotionaloder wütend den Kindern gegenüber zu reagieren.
Natürlich setzten wir in dieser Woche Konsequenzen um, schickten einige Kinder, einmal sogar die ganze Truppe nachhause und erklärten ihnen immer wieder, dass wir ihr Verhalten unmöglich und repektlos empfinden.
Die Kraft für das ständige Ermahnen der Kinder, für das auf Ruhe warten, sowie um die Toleranz für bodenlose Anschuldigungen, Lügen und frechen Forderungen aufzubringen, fand ich in der Erkenntnis, dass die Kinder kein anderes Verhalten in ihrer Erziehung in der Favela erlernen konnten und dass wir als Deutsche von ihnen ein Verhalten fordern, welchem sie nich gerecht werden können, da sie es vielleicht noch nie erlebt haben. Auch schöpfte ich Kraft aus kleinen Momenten des Erfolgs. So besserte sich beispielsweise das Vehalten der Kinder über die Woche hinweg, oder ich entdeckte beim Training und natürlich bei der Aufführung das Freudenfunkeln in den Kinderaugen.
Für Sonja, Ole und mich war es immer vollkommen unverständlich, warum die Kinder zu einer freiwilligen Circuswoche kommen, aber dann das Programm und noch noch viel schlimmer unsere Autorität nicht respektieren.

Im Rückblick bin ich jedoch sehr froh über diese Woche, da sie mich viel tiefer in das Leben der Favelakinder eingeführt hat. Mir wurde deutlich wie wichtig es ist mit genau diesen Kindern zu arbeiten, ihnen Liebe zu geben und ihnen ein anderes Miteinander vorzuleben und beizubringen. Mir wurde noch intensiver bewusst wie viele Kinder wirklich schwierige Vergangeneiten im Gepäck haben und wie schmerz- und frustgeladen ihre Verhaltensweisen manchmal sind. Im Kontrast dazu freut sich mein Herz über die Beobachtung, dass diese Kinder, wie alle anderen Kinder auf der Welt, auch nur Kinder sind; dass man sie begeistern kann, sie fohlich, frei und im Momenet lebend beobachten kann und das Circuspädagogik mit seinem, das Selbstbewusstsein stärkende Prinzip, ihnen eine neue Kraft für die Zukunft geben kann.

Herzlich, 
Jonas

manaus und umgebung in bildern

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