Mittwoch, 28. März 2012

circus.erziehung

In den beiden Circusstunden, die wir täglich direkt in der Favela Monte Azul für Kinder und Jugendliche anbieten, ist mir erneut bewusst geworden, dass der Großteil unseres Unterrichtes nicht die Vermittlung von Circusfähigkeiten einnimmt, sondern dass es vielmehr Grundlagen eines konstruktiven sozialen Miteinanders, sowie der Schaffung eines funktionsfähigen Unterrichtsrahmens, sind, an welchem wir mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten: "Bitte schaut und hört Sonja, Ole und Jonas zu, wenn sie euch eine neue Übung zeigen", "bitte kommt zu uns, wenn ein Kursteilnehmer eure Mutter beleidigt hat, schlagt diesen nicht, sondern lasst uns dieses Problem gemeinsam im Dialog lösen", "respektiert das, was wir euch sagen", "bitte tretet oder schlagt keine anderen Kinder", "bitte lacht nicht, wenn einem anderen eine Übung nicht gelingt", "bitte lernt euren Gegenüber ausreden zu lassen, um in folge ruhig eine Antwort zu geben" usw.

So ist unser Circusprojekt nun auch ein Erziehungsprojekt!
Persönlich merke ich, dass gerade diese Grundlagen eines "normalen" sozialen Miteinanders fundamental wichtig für die Zukunft dieser Kinder sind. In Schule, Ausbildung, Berufwahl und letztendlich in der Ausübung eines Berufes, eigentlich in allen Lebensbereichen, ist ein gesitteter und respektgeleiteter Umgang mit den Menschen in der Umgebung von zentraler Bedeutung.

Gruss Jonas

Montag, 26. März 2012

emBelo Horizonte.

.zwei Tage
.2,2 Millionen Einwohner 
.auf Hügeln
.mit einem wunderschönem Horizont
.wohnte bei Architekten
.liebte die Gastfreundschaft 
.verabscheute die monotonen Hochhäuser
.genoss die Natur










grussjo

neuer arbeitsplan.


Montag bis Freitag arbeiten wir nun schon seit einigen Wochen im Pontinho de Culturo. Von 17h- 18:15h findet Circus fuer Kinder zwischen 7 und 12 Jahren satt, von 18:30h bis 20h der Unterricht fuer die Jugendlichen. Mit dieser Arbeitsplanumstellung wirken wir nun intensiv in der Favela und schaffen für 20-30 Kinder und Jugendliche pro Tag eine sinnvolle Abendbeschäftigung fern von Drogen, Gewalt, den normalen Treiben in der Favela. 


Dazu arbeiten wir zwei volle Tage pro Woche im Centro Culutral von Monte Azul und werden in den naechsten sechs Wochen mit einigen Kindern, die auf freiwilliger Basis zu unserem Unterricht kommen versuchen ein kleines "Espetaculo de Circo" auf die Beine zu stellen. 
In zwei mal einundhalb Stunden pro Woche wird sich jedes Kind auf zwei Circusgenres spezialisieren und dieses schlussendlich in eine paar Wochen auffuehren. 


Zudem haben wir ein Projekt in angeschoben das in vorsieht in verschiedenen Waldorfschulen Mini-Vorträge über unser Projekt zu halten und evtl. auch etwas Kleines aufzuführen. Die sieben Waldorfschulen, welche es hier in Sao Paulo gibt sind sehr eliter, sprich von Schuelern besucht, die hauptsächlich in reichen Gegenden im Zentrum von Sao Paulo wohnen und keinen Kontakt mit der Peripherie, den Favelas oder sozialer Misere haben und grundsätzlich auch nicht aufsuchen. Als europaeische Freiwillige können wir mit unserem Projekt, so hoffen wir, auf offene Ohren stossen und einen sozialen Impuls dort geben, wo er gebraucht wird. Mich macht es traurig und ärgerlich hier in Sao Paulo in einer Favela zu arbeiten, von welcher aus man das Reichenviertel Morumbi mit seinen Hochhäusern und Villen sehen kann. Schnell kommt dann die Frage auf, warum müssen viele Spendengelder oder auch wir als Freiwillige in ein die sechstgrößte Wirtschaftsnation kommen?


grüsse aus dem heissen Sao Paulo,
jonas



Montag, 19. März 2012

reflexion.austausch.zwischenseminar.botucatu

Anfang März haben etwa 20 Freiwillige, die mit den Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners ein freiwilliges soziales Jahr  in Brasilien machen, ihr Zwischenseminar in Botucatu erlebt. Fünf Tage reflektierten wir gemeinsam die ersten Monate unserer Freiwilligendienste, tauschten Erfahrungen aus und setzten uns Ziele für die kommende Zeit. In der wunderschönen kleinen Siedlung Demetira Botucatu entstand für mich in diesen Tagen ein Austausch, der mir Kraft gibt und mich weiter impulsiert neu Ideen in unsere Arbeit zu tragen. Besonders sich mit einer Gruppe so toller anderer Freiwilliger zusammenzufinden hat mich bewegt und meine Lebenskräfte auf Hochtouren gebracht. 











herzlich aus der Sonne, 
Jonas

Samstag, 17. März 2012

duschen.

Oft stehe ich unter der Dusche, denke jetzt ist es zeit aufzuhoeren Wasser in den Abfluss zu giessen und druecke impulsiv mit meiner linken Hand auf den Lichtschalter. Danach ist das Licht aus doch verdattert wundere ich mich ueber das Wasser, welches immernoch ueber meinen Koerper fliesst. Ich lache und freue mich ueber diese Kuriositaet, die mir in Wirklichkeit mindestens einmal pro Woche passiert.

Sonntag, 4. März 2012

ideen zu neuen bildungsformen - inspiriert von Peter Guttenhöfer

Wir Volontarios in Monte Azul haben das große Glück an einem breitgefächerten Kulturprogramm der Einrichtung teilhaben zu können und ein noch größeres Glück mit Ute Crämer, der Gründerin und dem jetzigen "Herz" vom Monte Azul, uns in einem wöchentlichen Lesekreis austauschen und inspirieren lassen zu können.
Vor einigen Wochen besuchte der langjährige Waldorflehrer und Gründer verschiedener Waldorfschulen, sowie des Waldorflehrerseminars Kassel, Peter Guttenhöfer, Sao Paulo und Monte Azul. In zwei Vorträgen und einer Diskussion, im Rahmen des Lesekreises bei Ute Crämer, wurde ich von den revolutionären Ideen und Impulsen zum Thema Bildung und Erziehung dieses erfahrenen Pädagogen gepackt und möchte versuchen einige dieser hier weiterzugeben.  


Bildung ist hier in Brasilien, sowie auf aller Welt ein Schlüsselthema. Bildung bildet die Gesellschaft, Bildung schafft das Fundament sozialen, ökonomischen, politischen, wenn man genau darüber nachdenkt, allen Handelns. In Gesprächen mit Brasilianern hier, werden wir oft für unsere gute Bildung beneidet, da sie hier, sowie auf der ganzen Welt, Türen öffnet. Die Menschen wissen, mit einer guten Bildung kann man alles erreichen und sich aus der Misere herausarbeiten. So erlebe ich hier in Sao Paulo immer wieder, dass Menschen bis ins hohe Alter tagsüber arbeiten und des nachts studieren, um sich zukünftig ein besseres Leben erwirtschaften zu können.
Diese Notwendigkeit einer guten Bildung ist jedoch in allen Ländern der Welt ähnlich. Auch von vielen Deutschen kenne ich das Argumet: "dasjenige, was mir wirklich wichtig ist, ist für meine Kinder eine gute Bildung ermöglichen zu können". Genauso denkt es auch der Staat, der versucht die Jugend des Landes so effizient wie möglich zu bilden, damit sie den Marktbedingungen des Landes gerecht werden - "es werden wieder Facharbeiter gesucht". Weltweit richten die Regierungen, in dem Wahn die Kinder schon so früh wie möglich  intellektuell zu bilden, immer frühere Schulpflichten ein, oder beginnen schon für den Kindergarten Curricular festzuschreiben. Aufgrund dieser weltweiten Entwicklung des Schulwesens, dass von Kindern fordert, so schnell wie möglich erwachsen zu sein, plädiert Peter Guttenhöfer für "Die Rettung der Kindheit". Bis ins Kleinkindalter hinein versuchen wir heutzutage Menschen zu formen, damit sie später in unserem wirtschaftlichen System maximal erfolgreich sind, einem globalen Wirtschaftssystem, dass bald die Ressourcen der Welt aufbrauchen wird und in welchem heutzutage eine Millarde Menschen an Hunger leiden.


Guttenhöfer argumentiert gleichzeitig, Schulen seien kinderfeindlich - Kindern nicht gemäß gestaltet - da sie sie von beginn an in eine "verkopfte" Lernstruktur zwängen, obwohl Kinder in diesem Alter auf ganz andere Art lernen und ganz andere innere (Lern)Impulse haben. Bis etwa zum 12. Lebensjahr erlernen Kinder vielmehr durch Nachahmung, dem Kopieren des Erwachsenen, als durch das wahrhaft kognitive Verständnis eines Vorgangs. Dazu passend argumentiert Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik: „Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und  Erzieher nur die Umgebung  des sich selbst erziehenden  Kindes.“ Damit ist auch gemeint, dass das Kind einen Lehrer als Vorbild hat und aus sich heraus die Möglichkeit ergreift dieses Vorbild in sich aufzunehmen. Der Lehrer muss dadurch das Kind nicht in seine Denkweisen, sein Bildungskonzept zwingen, oder Tests streng nach Curriculum durchführen, welche das Kind be-urteilen und damit einen Leistungsdruck aufbauen, mit welchem man als Erwachsenen tagtäglich zu genüge konfrontiert wird. Peter Guttenhöfer betont wie ich finde zurecht, dass Kinder bis zum 14. Lebensjahr viel stärker das Bedürfnis haben auf der sinnlich-praktischen Ebenen Dinge zu erlernen. Dabei musste ich an meine Kindheit zurückdenken und kann bestätigen, dass ich in den vielen handwerklich-künstlerischen Tätigkeiten in der Unterstufe der Waldorfschule immer mit Freude und Elan dabei war und ich jetzt - bis auf eine kleine Rechtschreibschwäche - auch auf der intellektuellen Ebene gut zurecht komme. 


Nun kommen wir zum nächsten Punkt Peter Guttenhöfers Konzept. Durch die frühe intellektuelle Blidung nehmen wir dem Kind nicht nur seine Kindheit und seine Möglichkeit sich selbst zu einem eigenen Menschen zu entfalten, sondern wir verhindern zudem das vollständige Ankommen des Kindes auf der Erde (Inkarnation), also die Verbindung mit der Erde, dem Planeten auf welchem, mit welchem wir leben. Wird ein Kind schon mit vier Jahren in die Schule gesteckt, um sich dort gedanklich mit Erwachsenenthemen auseindanderzusetzen, wie soll es dann wirklich in seinem Körper ankommen, wie soll es die Natur kennenlernen, Spielen und dabei seine Phantasie, seine Kreativität ausbilden? Auch ich persönlich finde es kein Wunder, dass wir westlichen Menschen heutzutage so entfremdet von der Natur leben und sie, oft noch nicht einmal mit einem schlechten Gewissen ausbeuten und zerstören, wenn wir doch nie einen richtigen Bezug zu Ihr aufbauen konnten.


Peter Guttenhöfer schlägt ein vollkommen neues Schulkonzept vor, dass den Kindern eine Kindheit schenkt, ihnen ermöglicht sich mit der Erde zu verbinden (inkarnieren), den Aspekt aus der Lernforschung mit einbezieht, dass Kinder bis ca. dem 12. Alter vornehmlich durch nachahmen und kopieren lernen und ihnen die Möglichkeit gibt zu einer individuellen Persönlichkeit heranwachsen zu können.
Dafür muss der Ort Schule bis zur vierten oder fünften Klasse vollkommen neu gestalten werden. Kinder sollen, ihm nach, von Handwerkern, Landwirten, Menschen die eine praktische Tätigkeit ausführen bis zur fünften Klasse gebildet werden. Obwohl diese Formulierung schon wieder etwas irreführend ist, denn die Kinder sollen sich nach Rudolf Steiner "selbsterziehen", indem sie dem Vorbild des praktisch schaffenden Menschen folgen. Dabei lernen die Kinder durch Nachahmen nicht nur handwerklich-praktisch zu arbeiten, sondern erleben natürlich auch wie diese neuen "Vorleber" einen Abrechnung machen, lesen, Mass nehmen, ausrechnen, zählen, Probleme lösen, mit und in der Natur arbeiten und vieles mehr. Die Kinder begeleiten also den handwerklich tätigen Menschen in seiner Arbeit und werden im Laufe der Zeit immer mehr in die Arbeitsprozesse eingebunden und lernen Verantwortung zu übernehmen
Peter Guttenhöfer stellte uns die Frage, ob wir uns erinnern können auf welchem Wissenstand wir in der fünften Klasse waren. Mir wird dabei deutlich, dass ich mich fast garnicht mehr an die ersten Schuljahre erinnern kann und das es eher praktische Erlebnisse wie das Hausbauen (Waldorf-Handerwerkerepoche), das Weizen sähen oder das Stockbrot machen sind, an welche ich mich erinnern kann. Anders als in Staatsschule, habe ich auch erst sehr spät lesen und schreiben gelernt, geschweige denn komplizierte mathematische Vorgänge. Um so leichter viel es mir persönlich dann in der Oberstufe den gymnasialen Stoff mit freudiger Eigeninitiative nachzuholen und Abitur zu machen. Aufgrund dessen habe ich auch das Gefühl, es muss bis zur fünften Klasse noch nichts abstrackt und kognitiv gelernt werden, die Lernfähigkeit der Kinder liegt auf der praktischen Ebene.


Wie stellt sich Peter Guttenhöfer diese Transformation der Schule vor? 
Er plädiert  für einen evolutionenären Weg der kleine Schritte, dass die neue "Erziehungsidee" von Begeisterten weiterkommuniziert wird und mehr und mehr Kindergärten und Grundschulen dieses Schulkonzept anwenden.


Eine weitere Beobachtung von Herr Guttenhöfer hat in mir eine euphorische Resonanz geweckt: Guttenhöfer beobachtet bei der heutigen Jugend den Trend dahingehend mehr in Lebensgemeinschaften zusammenleben zu wollen. Teilendes, sich gegenseitig inspirierendes, gemeinsames, ganzheitliches, bewusstes, nachhaltiges, "autonomeres" Leben, beispielsweise auf einem grossen Biobauernhof stelle ich mir dabei vor. Dabei sollte  jede Familie, jeder Mitbewohner, in einer eigenen Wohnung leben können, bzw. eine Rückzugsmöglichkeit haben. Gerade die Idee, dass Menschen mit ganz verschiedenen beruflichen Ausrichtungen zusammenleben, einige von diesen den Hof betreuen, es eine Gärtnerei gibt, biologisch-dynamischen Nahrungsmittelanbau, Schreinerei, Hauswirtschaft, Kunst und aber auch Menschen die unabhängig außerhalb arbeiten, finde ich super interessant, nicht nur weil dadurch die Grundbedürfnisse - Essen, Wohnen, Leben - durch ausschließlich lokales Wirtschaften sehr nachhaltig gedeckt werden, sondern auch weil ein Austausch zwischen den ganz verschiedenen Berufen und Lebensperspektiven entstehen kann, von welchem ich glaube das er die Möglichkeit eröffnet leichter ein Bewusstsein für die vielen herausfordernden Vorgänge und Prozesse der globalisierten und komplexen Welt zu bekommen. Bewusstsein ist schließlich der Ausgangspunkt für bewusstes, respektgeleitetes Handeln.
Zudem könnte eine "Lebensgemeischaft" - mir fehlt immernoch das richtige Wort, um dieses Konzept zu beschreiben - aus mehreren Generationen bestehen, so wie man es aus den vergangenen Jahrhunderten kennt: die Älteren betreuen die ganz Jungen mit, später die Jungen die Alten und dabei haben jene bis zu ihrem Lebensende eine sinnvolle und erfüllende Aufgabe, sitzen nicht, wie ich leider oft in Deutschland feststellen muss mit 65, aber eingentlich noch fit, in ihrere Wohnung und versauern. Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen können in solche Lebensgemeinschaften zudem perfekt in Arbeiten, die sie vollbringen können, eingebettet werden und können somit mit ihren oft nicht so schnell ersichtlichen Qualitäten mitwirken.
Peter Guttenhöfer sprach diese Form von Zusammenleben an, da seine Ideen zu Erziehung in diesem Konzept perfekt umgesetzt werden können. Die Kinder der verschiedenen Familien werden Stück für Stück in die Aufgaben in Hof und Umfeld mit eingebettet, lernen spielend-nachahmend, soziale, praktische und  künsterlische Tätigkeiten. Ab zehn, zwölf Jahren besuchen sie dann natürlich eine weiterführende Schule und lernen die grösseren Zusammenhänge dieses Planeten kennen, bilden sich intellektuell und spezialisieren sich schlussendlich. Diese Spezialisierung findet aber auf dem Hintergrund statt, dass sie die körperlichen Qulitäten, also handwerklich-künstlerischen schon verinnerlicht habe, die Natur und Aspekte sozialem Zusammenlebens kennen und auf diesem Bewusstsein ihr "Karriere" aufbauen. Wenn man nun noch der Argumentation Peter Guttenhöfers folgt, müsste man sagen, dass sie ganz Mensch sind, sich inkarniert haben und nicht nur die "denkerischen" Qualitäten des Menschen einseitig geschult haben. 



Nun genung zu den Ideen die in meinem brasilianische Kopf kreisen und hin- und herbewegt werden. Ich schicke euch daher Grüsse aus der Sommerhitze mit knackblauem Himmel, 
schwitzend und froh, Jonas




PS. einen Text Peter Guttenhöfers zum Thema "Die Rettung der Kindheit" findet ihr unter folgendem Link: http://globalsociallab.goetheanum.org/Rettung%20der%20Kindheit%20Spitta-Version.pdf















Mittwoch, 22. Februar 2012

carnaval12

Den "Carneval", den "Abschied vom Fleisch" (carne vale), wie es wortwörtlich übersetzt werden kann, habe ich in den vergangenen Tagen hier in Sao Paulo miterleben dürfen.
Schon seit wir hier angekommen sind, liefen die Vorbereitungen für das Fest des Jahres in Brasilien auf Hochtouren: Sambaschulen und die "Baterias" (Perkussionsgruppen) hörte und sah man immerwieder proben und in den letzten Wochen entwickelte sich spürbar eine Spannung auf das Fest.
So besuchte ich die vergangenen Tage jeden Abend die Strassenkarneval und verbrachte eine Nacht in dem sog. Sambodrom. Letzteres Event stellt ein Wettkampf verschiedener Sambaschulen dar, die mit ihren pompösen Wägen, aufwendigen Kostümen, auf welche viele das ganze Jahr hinsparen, und typischer, nur mit Tanga bekleideter Sambatänzerinnen, durch den Sambodrom zogen. Dabei wurde für meine Erwartungen nur wenig Samba getanzt. Nur einige Zuschauer und lange nicht alle Aufführenden schwungen die Hüften. Kam dann einmal eine der beinahe nackten, und dieser Aspekt ist den Brasilianern wohl wichtig, Frauen vorbei, freute ich mich, dass sie nicht so abgemargert waren, wie viele Frauen die in der westlichen Modewelt heute gefragt sind, doch fragte ich mich dann immerwieder, ob diese dahinwabernden Hinterteile wohl auf natürliche Weise solch enorme Ausformungen entwickeln konnten.
Mehr als der Samba spielte grundsätzlich das Bier eine dominierende Rolle. So wie ich den Karneval in den Strassen erlebt habe, erinnerte er mich an Volksfeste in Deutschland, doch mit mehr Wärme, die Hüften treibenden Rythmen und eindeutig mehr "alegria", Freude.



























Fragen.

Dem Text "zwischen Sonne und Regen - Eine Reflektion über die Aula de Circo" sich anschliessend, möchte ich gerne einige Frage formulieren, von welchen ich mir wünsche, dass sie in Kommentaren diskutiert und bewegt werden.


Können Kinder unter zwölf Jahren - das ist die Altersklasse mit welcher wir vornehmlich arbeiten - aktiv ihr Verhalten mitbestimmen? Kinder nehmen bis zum Einsetzen der Pubertät, dem Beginn des selbstreflektierten Ich-Bewusstseins das Verhalten, die Lebensweisen und Sitten ihres Lebensumfeldes auf und gestalten daraus ihr Leben.
Ich frage mich, in wie fern kann ein Kind, dass uns respektlos behandelt, unsere Circusrequisiten wegnimmt, oder uns mit Steinchen bewirft, persönlich als schludig für dieses Verhalten erklärt werden? Ist das Kind nicht ein Resultat seines Lebensumfeldes, gerade weil es noch nicht als ich eigenständig sich für einen Weg, eine Verhaltensweise entscheiden kann?
Dann frage ich mich, wer ist für dieses von Gewalt und Drogen geprägte Lebensumfeld verantwortlich?
Ich frage mich warum gibt es Favelas, warum Armut, warum gibt es soviel Reichtum auf der Erde und doch so wenig Wille zum Teilen? Macht unser westlicher Reichtum andere arm? Sind es gierige Menschen auf der anderen Seite der Welt, die an den Lebensbedingungen der Favelakinder mitteilhaben?


Dies sind Fragen die aus meinen Beobachtunge hier in Brasilien entspringen und noch keine Antworten in mir gefunden haben. Bewegt diese Fragen mit!



Freitag, 17. Februar 2012

zwischen Sonne und Regen - Eine Reflektion über die "Aula de Circo"

Extrem kontrastreiche Gefühle prägten für mich in den vergangenen Tagen das Circustraining in der Favela.So mussten wir am Dienstag das Training frühzeitig beenden, da einige Kinder Steine auf andere Kinder und uns geworfen haben.


Es ist in jeder "Aula" eine riesige Herausforderung, die Kinder so mitzunehmen, dass sie uns wirklich mit Aufmerksamkeit und Respekt zuhören und das befolgen was wir ihnen sagen. Wenn wir beispielsweise in einen Kreis rufen, ist dies nicht mit einmal Rufen getan, sondern es müssen nicht selten zehn weitere, energische, laute und "nachhaltige" Rufe folgen. Nach dieser ersten Hürde beginnt dann der zähe Kampf um Ruhe zu bitten, der auch gerne mal einige Minuten andauern kann: Haben sich die kleine Geprächsgrüppchen einmal beruhigt, kommt einer der Strassenhunde vorbei, oder ein Freund oder Verwandter grüsst von weitem und die kostbare Aufmerksamkeit verflüchtigt sich ins nichts. Rangeleien, oder Motivationen die Hände des Kreisnachbarn zu zerquetschen, kommen zu diesem grundsätzlichen Unvermögen der Kinder ruhig zu sein hinzu. Wenn ich an dieses Diziplinierens der Kinder denke, fällt mir auf, dass ich in diesen Momenten total da bin; dass ich versuche mit den Kindern Augenkontakt zu halten, ihnen klar zu machen, dass es nun darum geht Sonja, Ole oder mir zuzuhören.
Mir wird deutlich dass diese Kinder wohl fast immer genau im Jetzt leben, genau das machen, zu was gerade ihr Gefühl sagt und genau dieser Aspekt ist es, der unsere Arbeit immer wieder so herausfordernd macht. In das Bewusstsein der Kinder dringt nur schwer ein, dass man viel mehr reden, lernen, machen könnte, wenn man nur einige Minuten still und aufmerksam sein würde. Auch der Fakt, dass die "aula de circo" zeitlich beschränkt ist, motiviert sie nicht sich mehr zu disziplinieren, obwohl ich das Gefühl habe, dass viele wirklich Interesse haben etwas zu lernen. Das Gefühl im Moment ist für sie wichtiger als das Planen um effizienter arbeiten zu können.
Wenn dann schlussendlich eine relative Ruhe eingekehrt ist, erklären wir beispielsweise wie auf das Einrad aufgestiegen wird, oder dass es wichtig ist aufrecht auf dem Einrad zu sitzen. Im nachhinein fällt einem jedoch auf, dass nur einige die Hinweise wirklich beachtet und verstanden haben und man erklärt diese Dinge seperat von neuem. Dies benötigt viel innere Ruhe und niemals endende Geduld. Ich merke wie ich in jedem Augenblick der Aula im hier und jetzt bin, versuche, obwohl ich weiss, dass der Unterrichtsstil uneffizient ist, meine Kenntnisse geduldig weiterzugeben. Dabei wird mir deutlich, dass ich mich den Kindern so viel wie möglich öffnen muss, dass ich ihnen so viel wie möglich Aufmerksamkeit schenken muss, damit sie Aufmerksamkeit für mich haben.
Das Geben und das Geduldig sein ist aber auch schön und bereitet mir Freude. Während man sich öffnet und gibt passiert es jedoch in de Aulas immer wieder, dass man beleidigt wird - "cala boca" (halt dein Maul) - oder Circusrequisiten einfach genommen werden, oder Regeln, die wir aufstellen, nicht beachtet werden, bis dahin, dass die Kinder mit Einrädern wegrennen und wir sie förmlich einfangen müssen, oder wie es diese Woche der Fall war, Ole mit einem Stein beworfen wurde und uns gesagt wurde wir sollten doch bitte nach Deutschland zurückkehren. So müssen wir in dem Öffnen, in der Nähe zu dem Kindern, die der Unterricht fordert, eine innerliche Distanz waren, um nicht von dem Gefühl des Respektlosigkeit, dem Gefühl dass man anstatt Dank Beleidigungen entgegengeschmettert bekommt, tief verletzt zu werden.
Persönlich merke ich, dass ich hier in Brasilien bin um zu Geben, oder um Weiterzugeben und wie es bei allem Geben auf dieser Welt ist, nicht erwarten darf, dass ich etwas zurückbekomme - zumindest nicht von den gleichen Personen im selben Moment. Gleichzeitig verstehe ich, dass die Kinder nichts was sie tuen aus wirklich bösem Willen tuen, sondern weil es eine Konsequenz ihres Lebens, der Armut, ihrer Erziehung, letztendlich ihrem Schicksal ist. Gerade weil sie derartige Herausforderungen im Leben haben bin ich hier, um ein kleines Licht zu sein, einen anderern Umgang vorzuleben und den Kindern Freude zu bereiten.



Montag, 13. Februar 2012

derTropfen

Das Workcamp in Aramitan hat mich weiter gestärkt auf meine Gedanken, meine Wörter und meine Taten zu achten, um in die Welt immer ein Bisschen mehr gute Energie zu schicken. Dabei ist mir das Bild des Tropfens, der Wellen schlägt als Metapher eingefallen: Jeder Gedanke, jedes Lächeln, jedes Danke sagen, aber auch jeder Kauf keiner Banane, sondern eines Apfels des nebenan wohnenden Bauers, oder jeder Schwung aufs Fahrrad ist einer dieser Tropfen, den andere sehen, miterleben und welcher vielleicht auch kommuniziert wird. Über sechs Ecken kennt ein jeder von uns bekanntlich jeden auf unserem blauen Planeten, also kann es auch garnicht lange dauern bis "unser" Tropfen Wellen auf der ganzen Welt geschlagen hat. Eine Affirmation und eine Graphik sind zu diesem Thema in Aramitan entstanden: "Ich bin der Tropfen, bin die Welle"


Dienstag, 7. Februar 2012

Über das Leuchten in der Welt / Workcamp Aramitan

In der vergangenen Woche hatte ich die Möglichkeit an einem Workcamp der NGO Aramitan (www.aramitan.com) teilnehmen zu können. Morgens wurde sich mit untererschiedlichen politischen, sozialen aber auch persönlichen Themen beschätigt, die sich letztendlich alle um die Frage drethen, "wie kann ich als Mensch verantwortungsvoll in der Welt handeln und eine positive Entwicklung unterstützen, oder sogar anstossen". Nachmittags wurde drei Stunden handwerklich gearbeitet um das Haus der Einrichtung fertigzustellen und um einen Spielplatz zu errichten. Danach gab es viel Zeit um sich mit den 40 Mitfreiwilligen auszutauschen und vorallem zu musizieren. Wie auf jedem Treffen mit vielen Menschen, auf Jugendfahrten, Symposien oder gemeinsamen Reisen, fühlte ich mich auch hier in dem gemeinschaftlichen Leben unglaublich wohl, inspiriert und sicher und merke, dass ich auch zukünftig auf jeden Fall mit viele Menschen zusammenleben möchte.
Hier in Aramitan kommen Menschen aus ganz verschiedenen Hintergründen zusammen. So arbeiten hier Brasilianer aus der Mittelschicht, aber auch aus der Favela mit Argentieniern, Deutschen und Neuseeländern zusammen. Es sind nicht nur die Gespräche, sondern einfach das miteinander Leben, das zusammen, viel Kochen, das gemeinsahme Essen, der Austausch zwischen vielen sehr verschiedenen Menschen mit ihren Qualitäten, der mir gut tat.
Inhaltlich wurde sich auch mit der globalen Ökonomie beschäftigt und es flossen immerwieder bewegende Erfahrungen von den Favelabewohnern, oder Teilnehmern ein, die in und mit der Misere Süd-Amerikas arbeiten. Emotional wurde von der Ohnmacht berichtet, in der sich viele Menschen der Unterschicht Süd-Ameriakas heutzutage befinden: Ohne Bildung keine Arbeit, keine Möglichkeit aus dem "vicious circle" des täglichen Überlebenskampfes zu entkommen und dies in einem von Gewalt und Drogen dominierten Lebensumfeld. In Brasilien beispielsweise führt der entfässelte Kapitalismus mit seinen Gewinnen wohl immernnoch nur marginal zu verbesserten Lebensbedingungen der armen Bevölkerungsschichten. Unter den Teilnehmern herrschte ein Konsenz darüber, das der Kapitalismus, so wie er momentan weltweit praktiziert wird, umfangreich reformiert werden muss, um sozial, den Menschenrechten entsprechend und die Natur respektierend praktiziert werden zu können. Persönlich war ich froh über allgemeine Distanzierung von jedlichen radikalen Bewegugen, wie beispielsweise der radialen Linken, oder anderen radiakalen politischen Grupierungen. "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt" (Mahatma Gandhi) war das Motto. Beginne bei dir die Welt zu verändern, achte auf deinen Gedanken, deine Worte, dein Verhalten und Umgang in jedlichen Beziehungen, sei dir über dein Konsumverhalten, deine Lebensweise bewusst, arbeite dort wo du Gutes tust, unterstütze Menschen die Gutes tuen, lebe in Gemeinschaften die achtsam mit der Welt umgehen usw. Auch in zwei der vier Vortäge, an welchen ich beigewohnt habe, ging es nicht um die Entwicklung einer utopischen Vision zukünftigen globalen Zusammenlebens, die natürlich auch Wichtigkeit hat, sondern um das Kennenlernen von sich selbst und der Entwicklung eines Bewusstseins für sich selbst, sein Umfeld und letztendlich für die Welt. 






Persönlich vertrete ich eine viel zurückhaltenderer und ich würde sagen realistischere Sicht auf, das was man in der Welt gerade verändern kann, als viele andere, enthusiastischere Teilnehmer des Workcamps. Gerade auf meiner Reise in das Amazonasgebiet habe ich erneut miterlebt wie der Sog des Kapitalismus, der Fokussierung auf viele materielle Werte, gerade erst beginnt und ich stelle mir vor, dass dies in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern auf der Welt änlich ist. Viele Menschen empfinden gerade den Drang ein Handy zu erwirtschaften, wollen ein Fernseher, ein Auto, ein Haus haben. Und dieses Wollen ist ein Gefühl, das in ihnen wohnt und sie treibt. Viele von uns jedoch leben in jenem "Wohlstand", merken dass er nicht alles Glück bedeutet und entwickeln andere Vorstellungen. Doch den Teil an Menschen, den ich gerade als "wir" bezeichnet habe, ist ein verschwindend kleiner Teil der Weltbevölkerung.




Keine Frage ist natrürlich, dass ich jede Art von Aufbruch und jede Art von Einsatz für die Welt als extrem wichtig empfinde! Täglich versuche auch ich ein Licht in die Welt zu tragen und andere anzuregen mit zu leuchten. Gerade Aramitan empfinde ich als einen dieser magischen Orte, an welchem sich jährlich dutztende junge Menschen treffen neue Ideen diskutieren und in die Welt tragen. Bewegend war für mich auch, dass altbekannte Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen, oder Werte wie Kommunikation, Dialog, Empathie, Vertrauen und Bewusstsein, Achtsamkeit immer wieder auftauchten, Ideen und Werte, die mich schon lange gepackt haben und sogar hier an ganz entfernten Orten auf Resonanz treffen und sich somit in mir noch weiter verdichten. 


Ich wünsche euch viel Kraft beim Leuchten,
mit herzlichen Grüssen aus der Hitzte,
Jonas

Donnerstag, 26. Januar 2012

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